Ausbildung zum/zur KommunikationstrainerIn 2018/2019

Das Seminar richtet sich sowohl an erfahrene Trainer, an Trainer, die bislang schon auf anderen Gebieten arbeiten und ihr Interessenspektrum in Richtung Kommunikation erweitern möchten und an „Neulinge“ die gern Trainer werden möchten. Gleichermaßen willkommen sind auch TeilnehmerInnen, die sich intensiver mit Kommunikation beschäftigen möchten. Gerade aus dieser Mischung heraus versprechen wir uns für alle
Beteiligten einen gewinnbringenden Erfahrungsaustausch und wertvolle Bereicherungen.

Termine:
2. bis 4. November 2018 – Grundlagen der Kommunikation – Kochel
25. bis 27. Januar 2019 – Intrapersonale Kommunikation: Das innere Team
5. bis 7. April 2019 Oktober Moderation – Wie moderiere ich ein Wachstumsklima herbei? – Kochel
31. Mai bis 2. Juni 2019 – Üben, üben, üben…. – Kochel

Auf Wunsch der TeilnehmerInnen eine Woche Seminar in der Türkei – Inhalte bestimmt die Gruppe.

Anschließend bieten wir Hospitationen in unseren Seminaren an. Die Gruppe entscheidet nach den 4 Grundseminaren, wie sie weiterarbeiten möchte. Die großen Zeitunterschiede zwischen den Seminaren eröffnen Räume für Selbststudium, zur Vertiefung der Inhalte und für die Gründung einer Lernselbsthilfegruppe.

Seminarleitung:

Jürgen Heckel, Kommunikationstrainer, Achtung und Toleranz Trainer und Ausbilder am CAP, – Autor des Buches „Frei sprechen lernen. Ein Leitfaden zur Selbsthilfe“, A1 Verlag, 5. Aufl.

Thomas Purucker, arbeitet in einem großen Unternehmen in München, Beriebsratserfahrungen, begann 1999 eine Ausbildung zum Kommunikationstrainer und arbeitet heute nebenberuflich als Trainer für diverse Stiftungen, Akademien und Schulen.
Schwerpunkte sind Gruppendynamiken und Kommunikation als Schlüsselqualifikation im Miteinander.
Er lebt in München und im Bayrischen Wald.

Sara Hoffmann-Cumani, Kommunikationstrainerin, Kommunikationsdesignerin. Sie gibt seit drei Jahren verstärkt Toleranztrainings an Schulen und in der Erwachsenenbildung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Visualisierung der Schaubilder und Grafiken an der Tafel, am Flipchart, usw.

Jürgen Heckel und Thomas Purucker haben ihre Erfahrungen aus den Kommunikationskursen zusammengefasst und daraus eine Trainerausbildung entwickelt, die sie seit 2010 gemeinsam anbieten.

Anmeldung:
Schriftlich beim Bayrischen Seminar für Politik – www.baysem.de
Tel. 089 2609006

Teilnahmegebühr: 350 € im Doppelzimmer für alle 4 Module. Einzelzimmer auf Anfrage. Es kann auch nur das erste Seminar gebucht werden.

Unsere Grundsätze – unsere Methode
Unser Kommunikationstraining ist neben Bereicherungen aus den Themenzentrierten Interaktionen (tzi) wesentlich von der Selbsthilfebewegung und deren Erfahrungen beeinflusst. Denn egal aus welchen Gründen eine Selbsthilfegruppe zusammenkommt, es sind immer auch kommunikative Fähigkeiten, die dort geschult werden, lebenswichtige Fähigkeiten, die nahezu unbewusst in diesen Prozessen entwickelt und gelernt werden. Es gibt kein asymmetrisches Verhältnis Lehrer/Schüler, in unserer Gruppe sind wir Lernende und Lehrende zugleich. Eine Lehr- und Lerngemeinschaft, in der Lernende und Lehrende in ständigem Rollenwechsel sind und jeder vom anderen etwas erfahren und somit lernen kann. Es ist eine Nichttherapiegruppe mit therapeutischer Qualität.
Es gibt noch einen entscheidenden Vorteil der Lernselbsthilfegruppe Kommunikation: Der Praxistransfer, das Hauptproblem jeglichen Trainings, ist bei dieser Methode in den Gruppenprozess selbst eingebaut.
Der wirksamste Faktor bei der Einübung kommunikativer Kompetenz ist nicht die Anhäufung theoretischen Wissens, sondern die Einübung im Handeln, die andauernde korrigierende Interaktion mit anderen. Kommunikative Fähigkeiten sind in und durch Erfahrung erworbene Fähigkeiten. Ein vertrauensvolles Wachstumsklima ist die wesentliche Voraussetzung für unsere Lernprozesse: Zuhören, Offenheit, Anerkennung, Diskretion (alles Persönliche bleibt in der Gruppe), keine Rechthaberei, Ängste abbauen, Schwächen und Aggressionen akzeptieren. Wenn geeignete Rahmenbedingungen für Wachstum vorhanden sind, dann sind Menschen schöpferisch, eigenmotiviert, tatkräftig und konstruktiv.
Kommunikationsentwicklung ist individuell. Wir erteilen keine Ratschläge, wir erschließen und eröffnen mit Hilfe der Modelle Suchwege, auf denen jeder selbst herausfinden kann was ihm gut tut: Was können die TeilnehmerInnen gut, wo liegen ihre Stärken? Wo wird es schwierig? Wir sind nicht auf der Suche nach Fehlern, sondern auf der Suche nach Ressourcen. Ressource ist alles, was in uns offen oder verborgen vorhanden ist, also Eigenschaften, Stärken, Neigungen, Talente etc. Wir versuchen innere Kraftquellen freizusetzen. Entwickle das, was in dir angelegt ist. Sei du selbst dann bist du gut.
Statt mit Standardübungen zu kommen, die wir immer neuen TeilnehmerInnen wieder und wieder anbieten können, lassen wir uns auf den einzelnen Menschen ein, auf seine Situation und auf sein „Anliegen“. Dies ist vorab nicht planbar. Deshalb wird die Methode des Vorgehens stets aus dem Augenblick herausgefunden.
Fehlerfreundlichkeit…
Wir schaffen eine Atmosphäre, wo es erwünscht ist, Fehler zu machen. Fehler sind ein begrüßenswerter Bestandteil des Lernens. Fast alles, was der Mensch geworden ist, fast alles, was er erworben hat, verdankt er der Irrtumsfähigkeit, dem Prinzip von Versuch und Irrtum. Fehler unterlaufen uns immer, wenn wir uns auf Neues einlassen. Fehler sind keine Schande, sondern Feedback, Fehler zeigen Wege auf, Dinge auf verschiedene Arten zu tun.
Ausgangspunkt sind u.a. folgende Kommunikationsmodelle:

4 Seiten einer Nachricht, der vierohrige Empfänger
Selektive Authentizität
Die Landkarte
Hilfreiches Zuhören und Konfrontation
Das Werte- und Entwicklungsquadrat
9 Tipps zur freien Rede
Gliederungsmethoden
Das Innere Team
Die Toleranzampel
Feedbackregeln
Johari Fenster
Biographiearbeit
Die Lernselbsthilfegruppe Kommunikation. Wie moderiere ich ein Wachstumsklima herbei?
Modelle sind eine Möglichkeit, Kommunikation zu beschreiben und zu erklären
Theorie soll der Wirklichkeit sehr nahe kommen, Modelle haben die Aufgabe, die Komplexität von kommunikativen Vorgängen durchsichtiger zu machen. Bei den Modellen geht es nicht um wahr oder unwahr, sondern um zweckmäßig oder unzweckmäßig.
Es reicht nicht, den TeilnehmerInnen nur Kommunikationsmodelle vorzutragen. Das bloße Modell, die Modelle allein werden eine dauerhafte Kommunikationsentwicklung nicht hervorbringen. Erst Übungen und Gespräche darüber führen zu Verhaltensänderungen. Die Veränderung entsteht im Prozess.
Folge: Nicht die Modelle bestimmen den Entwicklungsprozess, sondern die Verlaufsdynamik des Prozesses bestimmt, welche Modelle ich einsetze. Das wiederum bedeutet: Ich stelle nicht nur Modelle vor, sondern ich berichte auch von Erlebnissen, Vorgängen, Erfahrungen, Misserfolgen, erzähle kleine Geschichten über Erfolge und Misserfolge. Schon bei der Vorstellung der Modelle bauen wir praktische Übungen ein. Sei selektiv authentisch in deiner Präsentation. Mache dir bewusst, was du denkst, fühlst und glaubst, und überdenke vorher, was du sagst und tust.
Allerdings:
Ohne gründliche Kenntnisse und ohne überzeugende Präsentation der Modelle und Methoden geht es aber auch nicht…
Rolle des Trainers/der Trainerin
Unsere bisherige Erfahrung: jegliche Art von Standardschulung geht daneben. Kommunikation ist individuell, was bei einem funktioniert, ist bei einem anderen ein fader Socken. Wir wissen nicht, wo es lang geht und was den TeilnehmerInnen gut tut. Ein Trainer muss auch nicht die Antworten liefern, ein guter Trainer sollte aufzeigen wie jeder die Antwort herausbekommt. Der Trainer ist nicht Lösungsbringer, sondern Strukturerfinder und Prozessgestalter. Das bedeutet: Ich als Trainer habe die Aufgabe, die Themen der TeilnehmerInnen in der Gruppe lebendig werden zu lassen. So, dass jeder seine Möglichkeiten und Grenzen selbst herausfinden kann – im gemeinsamen Erleben mit den anderen TeilnehmerInnen und mir. Es gibt Antworten, die wir nur finden können: sie werden nie gegeben.
Unsere Hilfe besteht auch darin, dass wir uns durch unser Training selbst entwickeln und dadurch helfen wir den anderen, indem wir etwas vorleben. Das hat ansteckende Wirkung.
Es ist Hilfe zur Selbsthilfe: echt, offen und einfach, von umwerfender Schlichtheit. Oder: Ein einfaches Programm für komplizierte Menschen.
Hauptaufgabe: Wächter der Grundordnung
Folgende drei Regeln sind unsere Grundordnung (1):
Anonymität
Alles Persönliche bleibt in der Gruppe. Die Lerngruppe ist ein geschützter Raum, das weckt Vertrauen, ist ungewohnt, tut aber gut. Ich brauche keine Angst zu haben, dass mein Lernverhalten als Gesprächstoff missbraucht wird. Vielen Menschen fehlt so ein Raum.
Freiwilligkeit
Es gibt kein Du sollst und Du musst, sondern Du kannst und Du darfst
Durch diese Regel ist die persönliche Integrität eines jeden Teilnehmers geschützt. Die TeilnehmerInnen selbst bestimmen die Geschwindigkeit des Veränderungsprozesses. Der Trainer wird nicht zu fragwürdigen Interventionen verführt. Wenn wir uns daran halten, können wir kaum etwas falsch machen.
Störungen haben Vorrang
Jedes Mitglied der Gruppe kann sich jederzeit in den Verlauf des Seminars einbringen, Vorschläge machen, eigene Erfahrungen einbringen, Tadel und Lob äußern.
Störungen fragen nicht nach Erlaubnis, sie sind da: als Schmerz, als Freude, als Angst, als Zerstreutheit; die Frage ist nur wie man sie bewältigt.
Ruth Cohn, 1975, S. 120 ff.: „Das Postulat, dass “Störungen und leidenschaftliche Gefühle den Vorrang haben, bedeutet, dass wir die Wirklichkeit des Menschen anerkennen; und diese enthält die Tatsache, dass unsere lebendigen, gefühlsbewegten Körper und Seelen Träger unserer Gedanken und Handlungen sind. Wenn diese Träger wanken, sind unsere Handlungen und Gedanken so unsicher wie ihre Grundlagen.“
Die Teilnehmer übernehmen mit der Regel „Störungen haben Vorrang“ auch Verantwortung für den Gruppenprozess. Die TeilnehmerInnen nehmen dadurch den Gruppenprozess bewusster wahr und das versetzt sie in die Lage, den Gruppenprozess mitzugestalten.
Die Grundordnung bewirkt ein Minimum an Struktur mit einem Maximum an Entfaltungsmöglichkeiten: wo ein jeder sich traut sich einzubringen, aktiv wird, redet und zuhört.
Weitere Aufgaben der Trainer:

– Alles tun, um die Bereitschaft der TN zu fördern, Neues auszuprobieren…
– Strukturierung in Zeit und Raum (was tun wir als nächstes?)
– Möglichst Mehrheitsentscheidungen in der Gruppe vermeiden: Konsenssuche, Lösungen herausdiskutieren, die von allen mitgetragen werden.
– Vermeide Interpretationen!
Vorsicht bei Inkongruenzen, der Sender bemerkt ja oft selbst nicht, weshalb er inkongruent kommuniziert. Im Akt des Sprechens – und Sprechen ist Handlung – wird immer mehr ausgesagt als das, was auf den ersten Blick erfassbar scheint.
– Misstrauen gegenüber Dogmen und Vorschriften
– Unausgesprochenen Erwartungshaltungen widersprechen: der Trainer/die Trainerin ist für die Stimmung in der Gruppe nicht verantwortlich
Die Beziehungsebene, die ich zu den TeilnehmerInnen herstelle, ist entscheidend für den Erfolg!
Unsere Gruppe ist ein Orchester ohne Dirigent (tzi)
Rolle des Gruppenleiters: 1. Geige
Der Gruppenleiter ist Mitglied des Orchesters, nur durch die Art, wie er seine Geige spielt, erleben die Anderen seine leitende Funktion. Verliert das Orchester seinen Zusammenhalt, schlüpft der erste Geiger in die Rolle des Dirigenten, führt das Orchester wieder zusammen, um dann umgehend wieder in seine alte Rolle zurückzukehren.
Grundlegende Unterschiede zu anderen Kommunikationskursen…
Ich möchte andere Methoden nicht grundsätzlich schlecht machen. Ich behaupte auch nicht, dass unsere die beste Methode ist, sondern eine gute unter vielen anderen guten. Auch bei der Wahl der Lernmethode müssen die TeilnehmerInnen selbst herausfinden, welche Methode ihnen hilft. Ich glaube folgendes unterscheidet uns von vielen anderen Kommunikationskursen: Sie sind auf Tipps und Tricks aus und alles geht schnell und mühelos. Unsere Antwort darauf: Es gibt diese Tipps und Tricks – aber es kennt sie keiner!
Folgende Äusserungen und Versprechen halten wir für verantwortungslos:

Vera Birkenbihl: Kommunikation für Könner – schnell trainiert.
Es ist alles mühelos, leicht und schnell zu lernen. Es ist wohl ein Zeichen der Zeit, dass wir immer weniger Geduld aufbringen für Dinge, die sich nur allmählich entwickeln. Lernen kann sehr viel mehr Spaß machen als in der Schule, aber manchmal ist es auch anstrengend. Wachstumprozesse sind zeitlich sehr unterschiedlich. In 30 Jahren Trainertätigkeit habe ich nur 2 Spontanheilungen erlebt. Meine Erfahrung: Es geht nicht alles auf die Schnelle! Insgesamt ist es ein lebenslanger Prozess. Unser Trost: Auch kleine Schritte bewirken Veränderungen, jede kleine Veränderung stößt weitere Veränderungen an. Und noch etwas Tröstliches: Es ist keine Veränderung, indem ich etwas von mir abschaffe, sondern ein Veränderungsprozess durch Bereicherung. Ich lerne etwas hinzu.
Oder ein anderes Lieblingsthema: Nie wieder Redeängste – alle 5 bis 7 Jahre erscheint ein Buch mit diesem Titel. Verkauft sich gut!
Wer keine Angst hat, lebt nicht lange. Es geht darum, mit Redeängsten umgehen zu lernen. Sie sind nicht nur unangenehme Gefühle, sondern sie helfen auch die notwendige kreative Sensibilität zu entwickeln um möglichst schnell mit allen vier Kanälen in die Ohren der Zuhörer zu kommen. Wer gegen Redeängste ankämpft, verleiht ihnen nur noch mehr Macht. Es ist die Wiederkehr des Verdrängten!
Oder Dale Carnegie: „Der Köder soll dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Wie verpacke ich etwas hübsch und nett und verberge dabei meine wahren Absichten. Der Verpackung wird mehr Bedeutung beigemessen als dem Inhalt. Nicht von Innen glänzen sondern von Außen anstrahlen lassen. Das Design ist wichtiger als das Sein. „Eine Verleitungstechnik zum jeweils erwünschten Handeln“ (Gert Heidenreich).

Oder: die scheinbar grenzenlose Machbarkeit des NLP.  John O. Stevens: Mit Hilfe der Prinzipien des NLP können Sie jede menschliche Aktivität detailliert genug beschreiben, um viele tief greifende und dauerhafte Veränderungen schnell und ohne Anstrengung herbeiführen zu können. Einige spezifische Beispiele dessen, was Sie lernen können: Phobien und andere unerfreuliche Gefühlsreaktionen in weniger als einer Stunde kurieren. Unerwünschte Gewohnheiten in wenigen Sitzungen eliminieren, Rauchen, Trinken, Fettsucht, Schlaflosigkeit usw. Die Interaktionen von Paaren, Familien und Organisationen so zu verändern, dass sie befriedigender und produktiver werden…
(Aus Bandler/Grinder: Neue Wege der Kurzzeittherapie 11. Aufl., Junfermann) (Hervorhebungen durch J.H.)

Unsere Grundsätze
Was ist unser geistig-ethischer Hintergrund? Was sind unsere Werte? Wie schaut unser Welt- und Menschenbild aus? Ist das in den Modellen erkennbar?
Unsere Methode sollte nicht nur rein methodisch verstanden werden, ich behaupte, und es lässt sich anhand der Modelle nachweisen, unsere Methode entspringt einer humanistischen Grundhaltung:
– Für Demokratie und soziale Gerechtigkeit – für Selbstbestimmung – Gleichstellung Mann/Frau – Emanzipation – Gegen Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit.
Jeder Mensch ist einmalig und alle haben gleiche Rechte. Eine Welt mit unvollkommenen Menschen, die das Recht und die Chance haben, Irrtümer und Fehler zu begehen. Zu unserer Lebensgeschichte gehören nicht nur Erfolge, sondern auch Angst, Tränen, Unsicherheit und Zweifel und Enttäuschung, die Unabänderlichkeit persönlichen Schicksals. Tragik und Brüchigkeit sind feste Bestandteile unserer menschlichen Existenz.
Es geht ums Anteilnehmen der einzelnen an der Gemeinschaft und ums Anteilnehmen der Gemeinschaft am Leben des einzelnen (Wertequadrat). Mehrheitlich geht die Menschheit davon aus, dass wir wegen unserer Unterschiedlichkeit nur dann miteinander auskommen, wenn wir uns bis an die Zähne bewaffnen, statt zu erkennen, dass diese Unterschiedlichkeit Reichtum bedeutet. Der Weg um dies zu ändern: Kommunikation.
Wir bemühen uns um eine neue Kommunikationskultur in Verbänden, Vereinen, Selbsthilfegruppen, Parteien, Gewerkschaften: Zuhören, begründen, aufeinander eingehen, ehrlich und offen sein, argumentieren, werben, aufbrechen, provozieren, ermuntern, konfrontieren, den eigenen Standpunkt begründen und dabei stets auch die Möglichkeit des eigenen Irrtums eingestehen.
Sich in Gemeinschaften zu engagieren bedeutet sich auf Konflikte mit Andersdenkenden einzulassen. Wer Andersdenkende nur diffamiert, bedroht oder bekämpft, trägt nichts zur Verbesserung der politischen Kultur bei. Er stellt die Gewalt als Mittel der Politik nicht in Frage, sondern bestätigt sie.
Politische Tätigkeit gehört zu einem gelingenden Leben, Politik verstanden als die ständig zu diskutierende Frage wie wir alle miteinander leben wollen. Neben vielen Bereicherungen inhaltlicher Art sind die Fähigkeiten, die ich in politischen Prozessen und Aktionen, in Vereinen und Selbsthilfegruppen, im Team in der Arbeit erwerbe, Fähigkeiten, die mir keinesfalls nur im politischen Leben weiterhelfen, sondern gleichermaßen beruflich: Sich mitteilen können, Konflikte lösen, Mehrheiten schmieden, Papiere entwerfen, Vorträge halten usw. Und privat: Kommunikation ist auch der Schlüssel zu einer glücklichen Beziehung
Unser Ziel: dem Aufruf des Lebens verantwortungsfähig zu folgen. Wir fühlen uns auch verantwortlich für unser Nichthandeln.
Wer ohne diese menschenfreundliche Haltung Kurse durchführt, degradiert unsere Methode zu einer Trickkiste.
Auch dazu wollen wir Stellung nehmen:
Es drängt sich durchaus die Frage auf, ob wir nicht leichtfertigerweise Trainer und Trainerinnen unzureichend ausbilden, die u. U. in den Kursen mehr Schaden als Nutzen anrichten. Diese Gefahren sehen wir nicht, da sich die Ausbildung nicht nach den eher komplizierten Regeln wie z. B. TZI, was eine längere Ausbildungszeit erfordert, sondern nach den Regeln von Selbsthilfegruppen (1) richtet: das Prinzip Freiwilligkeit, es gibt kein du sollst und du musst sondern du kannst und du darfst, Ratschläge sind auch Schläge usw. usf. Wer sich an die Grundordnung hält, kann kein Unheil anrichten…
Was unterscheidet uns von tzi?
Wir erheben keinen therapeutischen Anspruch. Wir lassen uns grundsätzlich von Erfahrungen, Regeln und Grundannahmen aus den Selbsthilfegruppen leiten. Uns ist bewusst, dass die Grenzen und Übergänge zwischen Kommunikationstraining und Therapie oft fließend sind. In solchen Fällen empfehlen wir den TeilnehmerInnen, sich an Fachleute zu wenden.
Über folgende Rückmeldung eines Teilnehmers würden wir uns sehr freuen:
„Ich bin jetzt imstande, meine Probleme selbst zu lösen. Ich arbeite auf mein neues Ziel hin, das ich begreife. Ich freue mich, dass ich von Ihrer Hilfe unabhängig werde. Ich habe das sichere Gefühl, dass ich neue Probleme werde lösen können, wenn sie in meinem Leben auftauchen. In Zukunft werde ich versuchen, meinen Problemen realistisch zu begegnen und nicht, wie in der Vergangenheit, danach trachten, ihnen auszuweichen.“(Aus Rogers, Die nicht-direkte Beratung S. 12)

Unser Konzept ist nicht fertig, ist nicht geschlossen, sondern ist auf Weiterentwicklung angelegt. Wir sind offen für andere Methoden und freuen uns über Bereicherungen.
Jürgen Heckel und Thomas Purucker
(1)   Wie, wodurch funktioniert eine Selbsthilfegruppe wird ausführlich erklärt in: Heckel, Jürgen, Frei sprechen lernen. Ein Leitfaden zur Selbsthilfe, A1 Verlag, 5 Aufl. und in Heckel, Jürgen, „sich das Leben nehmen. Alkoholismus aus der Sicht eines Alkoholikers, A1 Verlag, 6. Aufl.